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Rednerinnen 2026

Anne-Christiane Lauener-Römer

Zwei Gebete prägten meine frühe Kindheit: ‘Herr gib mir eine Schwester’ (die ich dann auch erhielt – bis dahin hatte ich ja nur Brüder) und ‘Herr mach mich weise wie Salomon’ (nichts schien mir erstrebenswerter als eine ‘Königin Salomon’ zu werden).

Diese zwei Wünsche zogen sich wie ein roter Faden durch mein Leben: Ich suchte stets nach Weisheit aus den – meiner Ansicht nach – besten Büchern und mich faszinierten die Geschichten meiner ‘Schwestern’ aus dem Evangelium und der Weltgeschichte. Auch gegenwärtig tausche ich mich in einem Frauenseminar mit anderen Schwestern des Pfahles Bern aus – wir besprechen und diskutieren über Frauen mit unterschiedlichsten Hintergründen aus Religion, Literatur, Kunst, Wissenschaft, Politik etc.

Nebst einer kaufmännischen Aus- und Weiterbildung und entsprechenden langjährigen Erfahrungen habe ich immer leidenschaftlich gerne gelesen, vor allem die Romane und Poesie des 19. Jahrhunderts. Als der Kinogang noch zu meinem Alltag gehörte, konnte man mich wöchentlich in einem Drama/Liebesfilm/Western/Thriller oder einer Komödie antreffen. Jetzt trifft man mich mehrmals wöchentlich im Fitnessstudio an, damit ich meinen mehrfach behinderten Sohn noch lange und stark betreuen kann. 

Die Schönheit der Schöpfung, des künstlerischen Ausdrucks und der Aufrichtigkeit meiner Nächsten erfüllt mich mit Ehrfurcht und nachhaltiger Zufriedenheit. 

Dank dem Bekehrungswunsch und -mut meiner Eltern durfte ich im Evangelium Jesu Christi aufwachsen. Ich habe früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen – sei es in der Familie mit fünf Geschwistern oder in der Kirche, wo ich meist das einzige Mädchen in der Klasse war. Die Erkenntnis ‘Ich bin ein Kind von Gott’ wurde Wurzel und Flügel zugleich. 

Später – sei es als Vollzeitmissionarin, Kirchenberufene, Ehefrau, Mutter, Tempelbesucherin und -arbeiterin – habe ich Weisheit und Inspiration im Leitmotiv der Mission unserer Mutter Eva und deren Töchter im Reich Gottes gesucht. Der Tempel (seine Symbolik und Bündnismacht) wurde im Verlauf dieser Jahre zu meinem Brunnen, aus dem mir meine Himmlischen Eltern vorzu lebendiges Wassers schenken. 

Ich hatte auch das grosse Glück aufgrund von Wohnortswechseln in allen drei deutschsprachigen Pfähle der Schweiz heimisch zu sein und dank FHV-Berufungen viele Schwestern kennenzulernen. 

Meine grösste Errungenschaft ist meine Entscheidung, an einen Gott zu glauben, der lebt, sich finden lässt, mich schon vor Grundlegung der Welt an kennt und in meinem Leid mit mir weint. In meiner Kindheit gediehen nicht nur meine zwei grossen Gebetswünsche sondern auch mein wichtigstes Versprechen: ‘Ich werde dir, Gott, immer treu bleiben’.